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auswahl aufklärung Aufklärung Voltaire als Aufklärer Aufklärung im 18.Jhdt

Voltaire Werkverzeichnis Deutsch








Kurzbiographie Voltaires lesen

Voltaire Ausstellung in Gotha
Offener Brief
Voltaire kämpfte als Aufklärer an vielen Fronten, er war:

Revolutionär      Wissenschaftler     Antiklerikaler Kämpfer
Historiker           Schriftsteller         Dramatiker
Libertin   in einem und noch manches mehr.

All das versucht man heute unter den Teppich zu kehren und aus ihm einen Klassiker zu machen, dessen Bücher man getrost auf dem Bücherbrett (verstauben) lassen kann, ohne sich verdächtig zu machen.

Revolutionär
Damit Voltaire vergessen wird, kann, wenn man einmal um ihn nicht herumkommt, die schreibende Zunft nicht genug betonen, dass er eigentlich Monarchist war und am Ende auch für sich selbst eigentlich nur eines wünschte: die Anerkennung als Adliger.
Das ist nicht vollkommen falsch, denn man findet Formulierungen, die solche Behauptungen zu belegen scheinen, vor allem in einer anfänglichen und bedauerlichen Begeisterungsphase gegenüber Friedrich II. Jedoch: Wenn Voltaire Monarchist war, dann in einer Art, die  zur Auflösung der Monarchie beitrug, denn er forderte Gerechtigkeit und Zugang zu den Quellen von Bildung und Wohlstand für das aufstrebende Bürgertum.
Und wenn Voltaire als Adliger des Geistes Anerkennung von den zu seiner Zeit führenden Adligen des Blutes verlangte, so wäre deren Anerkennung einer Abdankung ihrer selbst gleichgekommen: Er verlieh sich seinen Adelstitel 'von Voltaire' selbst! Wenn sich Voltaire Zeit seines Lebens an höchste adlige Kreise anlehnte, dann deshalb, weil er hier Bündnisse in seinem Kampf gegen die allmächtige Kirche schließen zu können hoffte. Über den wirklichen Charakter der herrschenden Klasse machte er sich erfreulich wenig Illusionen: man lese
Candide, man lese Zadig.

Wissenschaftler
Als Wissenschaftler wird Voltaire längst nicht mehr wahrgenommen, dies, obwohl er es war, der Newton auf dem Kontinent bekannt machte, dessen Werke er gemeinsam mit Emilie du Châtelet übersetzte, experimentell überprüfte und so für die naturwissenschaftliche Entwicklung bahnbrechend wirkte. Voltaire war Vorkämpfer der Einsicht, dass die Wahrheit  prinzipiell erkennbar ist. Der Mensch ist fähig, die Wahrheit zu erkennen, wenn er nicht Glaubenssätzen folgt, sondern die Wirklichkeit mit wissenschaftlichen Methoden, d.h. Experiment in den Naturwissenschaften und Quellenkritik in den historischen Wissenschaften, erforscht. Für Voltaire gibt es einen schroffen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Glauben, zwei Welten, die sich ausschließen. In der Glaubenswelt werden Behauptungen ohne Überprüfung übernommen, folgt man Autoritäten blindlings und unabhängig von der Brauchbarkeit ihres Handelns oder ihres Charakters. Die Wissenschaft dagegen muss sich von der Religion, von Vorurteilen, von der Angst vor mächtigen Autoritäten komplett befreien, erst dann sind die Dinge, wie sie wirklich sind, erkennbar. Voltaire vereint faktisch Rationalismus und Empirismus lange vor Immanuel Kant (1724 - 1804) in Deutschland , jedoch ohne wie dieser durch die Verabsolutierung des Zweifels  (Kants “Ding an sich”),  der Religion eine Hintertür offen zu halten.

Antiklerikaler Kämpfer
Damit Voltaire vergessen wird, kann, wenn man wieder einmal um seine radikale Kirchenkritik nicht herumkommt, die schreibende Zunft nicht genug betonen, dass er eigentlich an Gott glaubte. Auch das ist nicht vollkommen falsch, denn Voltaire war Deist, ließ also wie viele andere Vertreter der Aufklärung das Wirken Gottes nach dem Einrichten der universellen Naturgesetze aufhören. Gerade weil Gott aber für ihn dort aufhört, ist das Ansinnen der Kirche, Gottes Vertreter auf Erden zu sein, sein Wort zu verkünden, nichts als Lug und Trug. Voltaire macht sich über den Wahrheitsanspruch der Bibel von vorne bis hinten lustig und nur einige Teile des neuen Testamentes lässt er als natürliche Morallehre gelten, ohne jedoch der Kirche deshalb ein Existenzrecht einzuräumen. Die Obszönität des Schmarotzerdaseins des heimtückischen und hetzenden Klerus war ihm stets ein Gräuel. Sein Schlachtruf war deshalb: Ecrasez l`Infâme! Zerschmettert die Niederträchtige!

Historiker
Voltaires Leistung auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft kennzeichnet seine Forderung,  in historischen Werken nur belegbare Sachverhalte zu behandeln. An diese Maxime hält er sich selbst sehr genau. Alles Überirdische, alles Religiöse hat in Werken der Geschichte auch als Erklärungsversuch nichts verloren. Also: die Jungfrau von Orleans hat, wenn sie denn göttlich inspiriert war, durch ihren Glauben Kraft gewonnen, der Historiker darf jedoch getrost alle Stimmen, göttliche Eingebungen und andere Wunderdinge aus seinem Werk verbannen. Ein historischer Sachverhalt ist so zu schildern, dass dem Leser die Zusammenhänge verständlich werden, die wesentlichen Handelnden, ihre Interessen, ihre Ziele, ihre Motive und die gesellschaftlichen Kräfte, die dabei eine Bedeutung haben. Mit Voltaire verabschiedet sich die Geschichtsschreibung von ihren theologischen und teleologischen Fesseln.
Seine Bibelkritik ist streng historisch, hier verlacht er die Wunder und deckt Widersprüche auf, die die Bibel als historisches Dokument weitgehend untauglich machen.
"Mit scheint, dass man die Geschichte bisher kaum anders als eine chronologische Aneinanderreihung betrachtet hat, man hat sie weder als Mitglied der Gesellschaft (citoyen) noch als Aufklärer (philosoph) geschrieben. Was interessiert es mich, sicher zu sein, dass 616 Adaoldus auf König Agiluf folgte und wozu nützen mir die Anekdoten ihrer Höfe?...Ich habe mich, so sehr ich es vermochte, bemüht, die Geschichte der Sitten, der Wissenschaft, der Gesetze, der Gebräuche, des Aberglaubens zu schreiben. Ich sehe fast nur Geschichtsschreibung von Königen, ich will die Geschichte der Menschen" (Brief Voltaires an Jacob Vernet am 1.7.1744)

Schriftsteller
Als Erzähler, als Dichter ist Voltaire heute noch am ehesten bekannt. Die Erzählungen und kleinen Schriften Voltaires verfolgen sehr oft eine aufklärerische Absicht, indem sie den Leser auf den Pfad der Bildung, der Zivilisation und ihm vor Augen führen, wie leicht man Vorurteilen aufsitzen kann. “Gebrauche Deinen Verstand! Wissen statt Glauben! Nieder mit Klerus und ungebildeten Herrschern!” heißen die Parolen, die sich in diesen Schriften immer wieder finden. Sie sind leicht geschrieben, humorvoll - man kann sie lesen, ohne sie allzu wichtig zu nehmen, oder indem man den Ernst hinter den Geschichten wahrnimmt.

Dramatiker
Sicher wären Voltaires Werke heute spielbar, ebenso zumindest wie die Lessings, Goethes, Beaumarchais, Molières, wenn man nur wollte. Aber man soll ihn vergessen und will nicht die Werke der religiösen Toleranz, der antiklerikalen Kritik auf den Bühnen sehen. Auch das Publikum ist verloren gegangen, das aufgeklärte Bürgertum, der libertäre Adel - sie existieren nur noch als Zerfallsprodukte einer besseren Zeit.
Goethe immerhin übersetzte Voltaires Mahomet, viele Theaterstücke blieben jedoch bis heute unübersetzt.

Libertin
war Voltaire nur in seinen jüngeren Jahren, als er diverse Eroberungen machte. Später wich der Drang zu Liebesabenteuern seinem großen Interesse an intellektuellen Abenteuern. Trotzdem blieb Voltaire auch in moralischen Fragen stets tolerant. Monogamie war für ihn kein Lebensziel, stattdessen Treue zu geistigen Prinzipien, zu Überzeugungen und zu seinen Freunden.